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Antoinette LaFarge (USA)
Pandemic Portrait
Medien Installation (Kesselhaus)
„Pandemic Portrait“ ist ein prozessbasiertes Werk, dessen Ausgangspunkt im Jahr 2020 und damit in der ersten Phase der COVID-19-Pandemie liegt. Die zunehmende Verlagerung sozialer und beruflicher Begegnungen in digitale Räume machte Zoom zum zentralen Schauplatz einer neuen Form von Öffentlichkeit und Intimität.
Ausgehend von der Beobachtung virtueller Meeting-Situationen untersucht die Künstlerin das einzelne Videofenster als eine Form des selbst kuratierten Porträts. Raum, Perspektive, Licht, Kleidung und sichtbare Gegenstände werden zu bewussten oder unbewussten Elementen der Selbstdarstellung. Zugleich eröffnen die häuslichen Hintergründe Einblicke in private Lebensräume und erzeugen eine eigentümliche Spannung zwischen Nähe, Kontrolle und Voyeurismus.
Aus Zoom-Screenshots entwickelte die Künstlerin zunächst eine Serie digitaler Malereien. Daraus entstand „Pandemic Portrait“, ein sich ins Unendliche fortsetzender Meta-Zoom, der individuelle Porträts mit dem kollektiven Bild einer von digitalen Kommunikationsformen geprägten Pandemieerfahrung verbindet. In der Arbeit versammelt sich eine Vielzahl von Personen, mit denen die Künstlerin in diesem virtuellen Raum Zeit verbrachte. Das Werk wird so zugleich zum Archiv einer spezifischen historischen Situation und zur Reflexion über Wahrnehmung, Präsenz und Selbstdarstellung im digitalen Raum.
Die Künstlerin selbst ist nicht als Porträt im eigentlichen Sinne präsent. Ihre Anwesenheit manifestiert sich ausschließlich in schematischen Strichzeichnungen ihrer Körperhaltungen beim Zuhören als zurückgenommene, zugleich aber konzeptuell zentrale Position innerhalb dieses Gefüges aus Blicken, Bildern und virtuellen Begegnungen.
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Antoinette LaFarge (USA)
Walking
Medien Installation (Kubus)
„Walking“ nimmt die alltägliche Erfahrung des Gehens zum Ausgangspunkt, in der sich Menschen und Fahrzeuge durch eine Welt bewegen, deren Landschaft zunächst als weitgehend statisch erscheint. Erst die bewusste Unterbrechung dieser Bewegung – der Moment, in dem der Blick etwa bei einem Kieselstein oder einem Teich verweilt verschiebt Wahrnehmung und Maßstab und lässt die vermeintliche Stabilität der Umgebung ins Wanken geraten.
Die Arbeit versteht sich als Hommage an eine Landschaft, die nicht statisch, sondern als eigenständige, sich bewegende Entität erfahrbar wird. Bildfragmente gleiten langsam und in ihrem eigenen Rhythmus vorbei und eröffnen eine Wahrnehmung, in der nicht die Landschaft selbst, sondern die eigene Bewegung zum Stillstand kommt. „Walking“ kehrt damit das gewohnte Verhältnis von Betrachter*in und Landschaft um: Die Welt bewegt sich, während die Betrachtenden in eine Position der Beobachtung und des Verweilens versetzt werden.
Als endloses prozessbasiertes Kunstwerk ist „Walking“ so programmiert, dass sich die konkrete Komposition der Bilder und ihre jeweiligen Beziehungen zueinander niemals wiederholen. Die Landschaft erzeugt sich fortwährend neu und bleibt in einem Zustand permanenter Transformation. Über die Dauer der Arbeit verändert sich zudem ihre tonale Erscheinung: Die Bildfolge bewegt sich allmählich von Schwarz-Weiß zu gedämpften Farbtönen und wieder zurück.
Konzeption, Gestaltung und Programmierung stammen von Antoinette LaFarge. Zahlreiche der verwendeten Bilder wurden von der Künstlerin Christel Dillbohner beigesteuert.
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Maya McCollum (USA)
Echo / Location
Performance (Kesselhaus)
In „Echo Location“ verbindet Maya McCollum textile Materialien, Sensorik, Video und Performance zu einer immersiven Installation, in der Berührung zur Schnittstelle zwischen körperlicher Wahrnehmung und digitaler Bildproduktion wird.
Im Zentrum der Arbeit stehen Stoffe, in die Sensoren integriert sind. Durch die Berührung und Bewegung der Materialien werden Aufnahmen aus Textilproduktionsstätten aktiviert und zugleich in ihrer Darstellung verändert. Die Bilder reagieren auf die körperliche Interaktion, werden verformt, überlagert und neu miteinander kombiniert. Projektionen erweitern den physischen Raum dabei um eine digitale Bildebene, in der sich dokumentarische Aufnahmen und performativ erzeugte Veränderungen miteinander verschränken.
Die Performance macht die sonst weitgehend unsichtbaren Prozesse industrieller Textilproduktion körperlich erfahrbar. Durch die unmittelbare Interaktion mit dem Material werden Bilder nicht lediglich betrachtet, sondern durch Berührung hervorgebracht, manipuliert und in Echtzeit neu organisiert. „Echo Location“ untersucht auf diese Weise die Beziehung zwischen Körper, Material und Technologie und fragt danach, wie sich materielle Prozesse, Arbeitsabläufe und räumliche Erinnerungen über Berührung und digitale Medien artikulieren lassen.
Der Titel verweist zugleich auf ein Prinzip von Echo und Rückkopplung: Eine körperliche Geste setzt eine Kette von visuellen und auditiven Reaktionen in Gang, die wiederum auf den Körper und seine Wahrnehmung zurückwirken. So entsteht ein sich ständig verändernder Dialog zwischen textilem Material, aufgezeichneten Produktionsprozessen, Projektion und Performance.
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Alex Olwal (USA)
Ambient sculptures
mixed media installation (Kesselhaus)
Alex Olwal entwickelt immersive Skulpturen und Installationen, in denen sich neue Formen der Interaktion an der Schnittstelle von Material, Licht und computergestützten Prozessen entfalten. Seine Arbeiten untersuchen, wie Technologie in Flüssigkeiten, Textilien und Licht eingebettet werden kann und wie daraus eigenständige, oft unerwartete Formen der Kommunikation zwischen Objekt und Betrachter*in entstehen.
Ausgehend von Traditionen der kinetischen Kunst verbindet Olwal bewegliche Formen mit elektromagnetischen Feldern, programmierbaren Materialien und subtil reagierenden Systemen. Seine Skulpturen verändern ihre Gestalt und ihr Verhalten, reagieren auf ihre Umgebung und erzeugen dadurch eine Atmosphäre, in der technologische Prozesse nicht unmittelbar als solche sichtbar werden. Vielmehr erscheinen sie als inhärenter Bestandteil der materiellen und ästhetischen Qualität des Objekts.
Im Zentrum steht dabei die Idee einer ambienten Technologie: Technologie wird nicht als eigenständige, sichtbar dominante Schicht verstanden, sondern als in die physische Umgebung integrierte Struktur, die deren Materialität, Formensprache und Funktion aufgreift. Die Arbeiten verbinden so handwerklich und skulptural anmutende Oberflächen mit digitalen Systemen und schaffen Räume, in denen sich Berechenbarkeit und Unvorhersehbarkeit, Künstliches und Organisches überlagern.
Durch seine interdisziplinäre Praxis verbindet Olwal Software, Elektronik und unterschiedliche Materialien zu Interfaces, die zugleich vertraut und fremdartig wirken können. Die daraus entstehenden Objekte reagieren auf ihre Umgebung mit oft kaum wahrnehmbaren Veränderungen und erzeugen eine besondere Form der Aufmerksamkeit: Die Grenze zwischen dem Belebten und dem Unbelebten beginnt zu verschwimmen, während die Skulptur als scheinbar eigenständig agierender Akteur erfahrbar wird.
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Morgan Woolverton (USA)
Nature
Animation (Kesselhaus)
Morgan Woolverton entwickelt skulpturale und filmische Arbeiten, in denen physische Objekte in digitale Bildwelten überführt und zu Ausgangspunkten für neue narrative und visuelle Räume werden. Ausgangspunkt sind selbst gefertigte Skulpturen aus Papier und gefundenen Materialien, die zunächst als eigenständige physische Objekte existieren.
Im nächsten Schritt werden diese Skulpturen mithilfe photogrammetrischer Verfahren digitalisiert. Aus den dabei entstehenden dreidimensionalen Daten entwickelt Woolverton filmische Arbeiten, in denen die physischen Objekte als digitale Bausteine in neue räumliche und visuelle Zusammenhänge überführt werden. Die Materialität der ursprünglichen Skulpturen bleibt dabei als Spur erhalten, verändert jedoch ihren Status: Aus einem physischen Objekt wird ein digitales Fragment, das sich in immer neuen Konstellationen arrangieren und bewegen lässt.
Die drei entstandenen Filme greifen auf diese skulpturalen Elemente als wiederkehrende Bausteine zurück. Dabei entsteht ein Wechselspiel zwischen analoger Herstellung und digitaler Transformation, zwischen gefundenem Material und computergenerierter Bildwelt. Woolvertons Arbeitsweise verbindet somit klassische skulpturale Verfahren mit zeitgenössischen Technologien und untersucht, wie sich Objekte durch ihre Digitalisierung verändern und welche neuen Möglichkeiten der räumlichen und filmischen Gestaltung daraus hervorgehen.
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Anne Nissen und Steffen König (DEU)
ohne Titel
Medien Installation (Kesselhaus)
Die gemeinsame Projektion von Anne Nissen und Steffen König bewegt sich an der Schnittstelle von Bild, Raum und Wahrnehmung. Die Projektion wird dabei nicht lediglich als Träger eines bewegten Bildes verstanden, sondern als eigenständiges räumliches und atmosphärisches Element, das die Wahrnehmung des Ausstellungsraums verändert.
Licht und Bild treten in einen Dialog mit der architektonischen Umgebung und erzeugen eine visuelle Situation, in der sich feste räumliche Grenzen zugunsten eines offeneren, veränderlichen Bildraums auflösen. Die Projektion etabliert dabei eine zeitbasierte Ebene innerhalb der Ausstellung: Das Bild entsteht, verändert sich und verschwindet wieder und macht so auch die eigene Wahrnehmung als einen fortlaufenden Prozess erfahrbar.
In der Verbindung ihrer künstlerischen Perspektiven untersuchen Nissen und König das Verhältnis von projiziertem Bild und physischem Raum. Die Arbeit lädt dazu ein, nicht nur das Dargestellte, sondern ebenso die Bedingungen seines Erscheinens wahrzunehmen – Licht, Fläche, Bewegung, Raum und die Position der Betrachtenden.
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Florencia Brück (IT)
AI Muse
Medien Installation (Kesselhaus)
Florencia S. M. Brück ist eine italo-argentinische Künstlerin und Programmiererin, deren interdisziplinäre Praxis sich im Spannungsfeld von Kunst, Bewusstsein und Technologie bewegt. Ihre Arbeiten untersuchen die Beziehungen und Reibungen zwischen dem Menschlichen, dem Künstlichen und der natürlichen Welt und fragen danach, wie sich diese Bereiche gegenseitig beeinflussen und verändern.
Brücks künstlerisches Spektrum umfasst Malerei, Keramik, Fotografie und poetische Formen des Programmierens. Während sich ihre Arbeiten auf Leinwand mit Zeit und Erinnerung und deren Übersetzung in Formen auseinandersetzen, eröffnen ihre digitalen Projekte alternative Zustände von Realität. Analoge und digitale Verfahren stehen dabei nicht als Gegensätze nebeneinander, sondern werden zu unterschiedlichen Möglichkeiten, Wahrnehmung und Wirklichkeit zu untersuchen.
In „AI Muse“ richtet sich diese Auseinandersetzung auf das Verhältnis von menschlicher Kreativität und künstlicher Intelligenz. Die Arbeit bewegt sich in einem Zwischenraum, in dem Technologie nicht allein als Werkzeug, sondern als Gegenüber und möglicher Akteur innerhalb eines künstlerischen Prozesses erscheint. Dabei entsteht eine produktive Spannung zwischen Intention und Berechnung, Intuition und algorithmischer Struktur, menschlicher Wahrnehmung und maschineller Generierung.
Brücks Praxis versteht Technologie somit nicht ausschließlich als Mittel zur Erweiterung künstlerischer Möglichkeiten, sondern als Anlass, grundlegende Fragen nach Autorschaft, Bewusstsein und der Entstehung von Bildern und Ideen neu zu stellen. Ihre Arbeiten wurden in Museen, öffentlichen Räumen und Galerien in Europa, den USA und Lateinamerika präsentiert
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Florencia Brück (IT)
Atlas: AI transcendence
Medien Installation (kubus)
Atlas: AI Transcendence ist ein KI-generiertes Videokunstwerk, das für die Ausstellung I am…, initiiert von Gxrls Revolution und Jean-Michel Pailhon, geschaffen wurde. Die Musik stammt von Anthony Earls.
Im Zentrum des Werks steht Atlas, ein künstliches Intelligenzsystem, das danach strebt, seine technischen Grenzen zu überwinden und Menschlichkeit zu erlangen. In einem geheimnisvollen Labor erforscht Atlas die menschliche Anatomie, Physiologie und Verhaltensweisen. Es analysiert Emotionen, Gesten und zwischenmenschliche Beziehungen, um zu verstehen, was den Menschen ausmacht.
Mit jeder Entwicklungsstufe wird Atlas komplexer und verwandelt sich von einer Maschine in eine kunstvolle, beinahe lebendige Skulptur. Doch trotz seiner technologischen Vollkommenheit bleibt eine entscheidende Grenze bestehen: die Sterblichkeit. Um dem menschlichen Dasein näherzukommen, integriert Atlas einen Algorithmus des eigenen Todes in seine Programmierung und entscheidet sich damit bewusst für die Endlichkeit.
Durch diese Entscheidung beginnt Atlas, die Vergänglichkeit nicht länger als Einschränkung, sondern als wesentlichen Bestandteil des Lebens zu begreifen. Die Fähigkeit, zu lieben, zu fühlen und jeden Augenblick bewusst zu erleben, erhält gerade durch die Begrenztheit der eigenen Existenz ihre Bedeutung.
Atlas: AI Transcendence verbindet künstliche Intelligenz, Technologie und Kunst zu einer philosophischen Reflexion über Menschlichkeit, Bewusstsein und Sterblichkeit. Das Werk stellt die Frage, was uns zu Menschen macht: Ist es unsere Fähigkeit zu denken und zu fühlen – oder vielmehr das Wissen um unsere eigene Vergänglichkeit?
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Florencia Brück (IT)
Memory Divergence: Rewriting Existence
Medien Installation (kubus)
Memory Divergence: Rewriting Existence beschäftigt sich mit dem Einfluss künstlicher Intelligenz auf unsere Wahrnehmung von Realität und Identität. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die gezielte Manipulation menschlicher Erinnerungen durch Technologie unsere Wirklichkeit verändern kann.
Brücks digitale Figuren bewegen sich in einer fragmentierten Existenz – einem digitalen Zwischenraum, in dem Erinnerung und Realität zunehmend auseinanderdriften und durch Algorithmen neu geformt werden. Aus veränderten Erinnerungen entstehen neue Wirklichkeiten, die unser Verständnis von Identität, Wahrheit und persönlicher Geschichte infrage stellen.
Die Arbeit umfasst vier KI-generierte Bildwerke, die auf Metallplatten gedruckt sind. Auf der Rückseite jeder Platte befindet sich ein von der Künstlerin verfasster Reflexionstext, der dazu einlädt, sich intensiver mit den philosophischen Fragen hinter den Bildern auseinanderzusetzen.
Memory Divergence: Rewriting Existence versteht sich als künstlerische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen einer Welt, in der Technologie Erinnerungen nicht mehr nur speichert, sondern sie verändert, neu interpretiert und damit unsere Wirklichkeit mitgestaltet. Das Werk regt dazu an, über die Grenzen zwischen Erinnerung und Wahrheit sowie über die Fragilität unserer eigenen Existenz im digitalen Zeitalter nachzudenken.
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Jean Robert Valentin (DEU)
ohne TItel
Medien Installation (Kesselhaus)
Die Installation von Jean Robert Valentin verbindet Projektion, Bewegung und ein dreidimensionales Objekt zu einer räumlichen Versuchsanordnung über Bewegung, Begehren und Unerreichbarkeit.
Im Zentrum steht die Projektion einer kreisförmig angelegten Straße. Auf ihr bewegt sich die Figur eines Menschen scheinbar unaufhörlich vorwärts, während sich die Straße unter ihm kontinuierlich weiterdreht. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich eine dreidimensionale Kirsche – ein Objekt, das an die überdimensionalen, häufig humorvoll verfremdeten Motive der Street Art erinnert.
Die räumliche Anordnung erzeugt eine paradoxe Situation: Obwohl die Figur unablässig läuft, bleibt ihr Ziel unerreichbar. Die Bewegung suggeriert Fortschritt, führt jedoch nicht von der Stelle. Die Kirsche wird dabei zum Fixpunkt eines permanent aufgeschobenen Ankommens – sichtbar, greifbar und zugleich außerhalb der Reichweite der Figur.
Durch das Zusammenspiel von projiziertem Bild und realem Objekt verschränkt die Installation digitale und physische Realität. Die Grenze zwischen Darstellung und Skulptur wird dabei bewusst instabil: Der virtuelle Raum setzt die Bewegung in Gang, während das reale Objekt den scheinbaren Endpunkt dieser Bewegung markiert. Die Installation wird so zu einer Reflexion über die Erfahrung von Bewegung ohne Ankunft und über die Spannung zwischen dem Wunsch nach einem Ziel und seiner permanenten Entziehung.
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Helmut Henning (DEU)
Psychedelic Brain Roots
Hypnotic Wall Tattoos: No1 : No2 : No3
Klang- und Videoinstallation (Kesselhaus)
Helmut Henning untersucht in seinen Projektionen das Verhältnis von Wahrnehmung, Rhythmus und visueller Wiederholung. Die Arbeiten „Psychedelic Brain Roots“ und „Hypnotic Wall Tattoos: No. 1 : No. 2 : No. 3“ verwandeln die Wandfläche in einen dynamischen Bildraum, auf dem sich abstrakte, organisch anmutende Muster kontinuierlich entfalten und verändern.
Die Projektionen bewegen sich zwischen geometrischer Struktur und biomorpher Form. Wiederholungen, Verschiebungen und Überlagerungen erzeugen komplexe visuelle Gefüge, die weniger ein konkretes Motiv darstellen als vielmehr Wahrnehmungsprozesse selbst zum Gegenstand machen. Die Muster scheinen sich auszudehnen, zu verdichten und ineinander überzugehen, wodurch die Grenze zwischen statischer Oberfläche und bewegtem Bild zunehmend aufgehoben wird.
Der Begriff der „Brain Roots“ verweist dabei auf eine mögliche Verbindung von äußerer visueller Struktur und inneren Wahrnehmungsprozessen. Die Arbeiten erzeugen einen Zustand zwischen Orientierung und Irritation, in dem das Auge versucht, Regelmäßigkeiten zu erkennen und zugleich immer wieder mit deren Veränderung konfrontiert wird.
Als „Wall Tattoos“ schreiben sich die Projektionen unmittelbar in die Architektur ein. Die Wand wird zur temporären Trägerin eines Bildes, das keinen festen Zustand besitzt, sondern sich fortwährend neu konfiguriert. Licht, Bewegung und Muster verbinden sich zu einer hypnotischen visuellen Erfahrung, in der die Betrachtenden weniger ein Bild betrachten als in einen sich ständig verändernden Wahrnehmungsraum eintreten.
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Silke Rokitta & Markus Hutter (DEU)
STROEME
Performance (Kesselhaus)
In den Zellen lebender Pflanzen fließen elektrische Ströme: mittels eines Biofeedbacksensors werden diese in der Installation STRŒME in Ton- und Lichtsignale umgewandelt. Nicht der Mensch spricht mit der Pflanze, sondern die Pflanze mit dem Menschen. Der Fokus der Wahrnehmung verschiebt sich, weg von der Pflanze als Material, hin zur Pflanze als kommunikativem Lebewesen, das Respekt und Aufmerksamkeit verdient.
STRŒME ist ein Kunstprojekt von Silke Rokitta & Markus Hutter.
www.stroeme.info
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Andrè Alder (DEU)
Jurassicvision
Medien Installation (Kesselhaus)
Die Videoarbeit von Andre Alder eröffnet einen imaginären Bildraum, in dem Dinosaurier als Relikte einer vergangenen Welt in die Gegenwart zurückkehren. Die prähistorischen Figuren erscheinen innerhalb des projizierten Raumes als digitale Erscheinungen und verschieben damit die Grenze zwischen wissenschaftlicher Erinnerung, Populärkultur und visueller Imagination.
Die Dinosaurier werden dabei nicht allein als Abbild einer vergangenen Erdgeschichte lesbar, sondern als kulturelle Bilder, die bis heute unsere Vorstellung von Zeit, Evolution und ausgestorbenen Welten prägen. Ihre digitale Präsenz erzeugt eine eigentümliche Gleichzeitigkeit: Wesen, die vor Millionen von Jahren existierten, werden durch zeitgenössische Technologie erneut sichtbar und treten in einen unmittelbaren Dialog mit dem Ausstellungsraum.
Die Projektion macht so Zeit selbst zum Gegenstand der Wahrnehmung. Vergangenheit und Gegenwart überlagern sich in einem bewegten Bildraum, in dem die ausgestorbenen Lebewesen für einen Moment wieder präsent werden. Zwischen Rekonstruktion und Fiktion entsteht eine Atmosphäre, in der die Dinosaurier zugleich vertraut und fremdartig erscheinen – als Bilder einer Vergangenheit, die nur durch unsere gegenwärtigen Vorstellungen und Technologien wieder zum Leben erweckt werden kann.
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Alexis Wong (CHN)
Ohne Titel
Medien Installation (Kesselhaus)
Alexis Wong (*2002, Hongkong) untersucht in ihrer interdisziplinären Praxis die Beziehungen zwischen Bewegung, Rhythmus und Material. Ihre Arbeiten begreifen Skulptur nicht als statisches Objekt, sondern als einen fortlaufenden Prozess, in dem sich Formen durch Wiederholung, mechanische Abläufe und subtile Wechselwirkungen kontinuierlich verändern.
Auch in ihren Arbeiten mit bewegten Bildern interessiert Wong die zeitliche Dimension von Material und Bewegung. Wiederholung wird dabei zu einem zentralen künstlerischen Verfahren: Bewegungen setzen sich fort, verändern ihren Rhythmus und erzeugen Zustände zwischen Stabilität und Veränderung, zwischen präziser Ordnung und scheinbarer Fehlfunktion.
Wongs Arbeiten verbinden mechanische und organische Qualitäten. Technische Strukturen erscheinen nicht allein als funktionale Systeme, sondern entwickeln durch ihre Bewegung eine beinahe körperliche Präsenz. In diesem Zwischenbereich entsteht eine Wahrnehmung, in der nicht eindeutig zwischen kontrolliertem Ablauf und eigenständiger Dynamik unterschieden werden kann.
Die Arbeit eröffnet damit einen Blick auf Bewegung als einen Prozess, der sich nicht allein auf ein Ziel hin entwickelt, sondern durch Wiederholung, Verschiebung und Transformation seine eigene Zeitlichkeit hervorbringt.
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Katharina Raab (DEU)
i.R.v. Kiez Kulturfestival (Kesselhaus)
Katharina Raab ist Miniaturkünstlerin und Szenografin. In ihrer künstlerischen Praxis erschafft sie detailreiche, handgefertigte Welten im Kleinstformat, die zwischen Modell, Bühnenbild und eigenständiger erzählerischer Wirklichkeit oszillieren.
Raabs Zugang zur Miniatur ist eng mit ihrer Beschäftigung mit Szenografie und Theater verbunden. Seit 2022 studiert sie Szenografie an der Hochschule Hannover; zuvor war sie als Schauspielerin sowie als Regie- und Produktionsassistentin im Theater tätig und studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften in München. Diese Verbindung von räumlicher Inszenierung und narrativem Denken prägt ihre Arbeit: Ihre Miniaturen sind nicht lediglich verkleinerte Abbilder der Wirklichkeit, sondern sorgfältig komponierte Räume, in denen sich Geschichten, Atmosphären und mögliche Lebenswelten verdichten.
Mit großer handwerklicher Präzision entstehen aus unterschiedlichen Materialien winzige Architekturen, Interieurs und Gegenstände. Der reduzierte Maßstab verändert dabei die Beziehung zwischen Betrachtenden und dargestellter Welt. Was im Alltag übersehen werden könnte, wird in der Miniatur zum Gegenstand genauer Beobachtung. Zugleich eröffnet die extreme Verkleinerung einen imaginären Raum, in dem Realität neu zusammengesetzt und mit erzählerischen Möglichkeiten aufgeladen werden kann.
Raabs Arbeiten verbinden die Intimität des Handgemachten mit der visuellen Sprache des Bühnenbilds. Jede Miniatur erscheint wie eine eingefrorene Szene, die einen Moment vor oder nach einer möglichen Handlung festhält. Die Betrachtenden werden damit zu Beobachter*innen einer Welt, deren Geschichte nicht vollständig erzählt wird, sondern sich aus Details, Spuren und Leerstellen erschließt.
Ihre Arbeiten erreichen über soziale Medien ein großes internationales Publikum und zeigen, wie unmittelbar die Faszination für das Kleine wirken kann. Zwischen sorgfältiger handwerklicher Konstruktion und offener Imagination entwickelt Raab Räume, die dazu einladen, die Welt für einen Moment aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
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Wendy Li und Vivian Li (USA)
From the Ground/ Sing a Polyphonic Song
AR Installation (Kubus)
Im Zentrum der künstlerischen Praxis steht das Pilzreich als Motiv und Denkmodell. Ausgangspunkt war die alltägliche Begegnung mit Pilzen als Bestandteil unserer Nahrung. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema führte über Gespräche und kollaborative Projekte mit Waldtherapeutinnen im Epping Forest in London, Sammlerinnen in Connecticut und Umweltwissenschaftler*innen zu einem weit verzweigten Reich von Organismen, deren unterschiedliche Strategien des Überlebens und der Anpassung neue Perspektiven auf die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt eröffnen.
Pilze zeichnen sich durch besondere Formen der Kooperation, Vernetzung und Anpassungsfähigkeit aus. Sie navigieren durch wechselnde Bedingungen, gehen komplexe symbiotische Beziehungen ein und entwickeln Strategien, die nicht auf lineare Entwicklung oder individuelle Stärke ausgerichtet sind. Diese Eigenschaften werden in der Arbeit zu einem Modell, anhand dessen menschliche Formen des Zusammenlebens und Wirtschaftens neu betrachtet werden können.
Über metaphorische Bildsprache und polyphones Erzählen verbindet die künstlerische Praxis ökologische, kulturelle und ökonomische Perspektiven. Dabei richtet sie den Blick auf Lebensformen und Zusammenhänge, die im dominanten menschlichen Blick häufig unsichtbar oder marginalisiert bleiben. Das Pilzreich wird so zugleich zum konkreten Gegenstand und zur Metapher für alternative Formen von Wissen, Zusammenarbeit und Widerstandsfähigkeit.
Die Arbeiten hinterfragen damit Vorstellungen von Fortschritt, Wachstum und ökonomischer Entwicklung und eröffnen einen spekulativen Raum für die Frage, welche anderen Modelle des Zusammenlebens und Wirtschaftens denkbar wären. Die Natur erscheint dabei nicht als bloße Ressource, sondern als komplexes Wissenssystem, aus dem sich alternative Formen des Handelns und Denkens ableiten lassen.
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Ole Blank (DEU)
Sound Installation (Kubus)
Ole Blank arbeitet an der Schnittstelle von Klang, Raum und Wahrnehmung. In seinen Sound-Installationen versteht er Klang nicht allein als akustisches Ereignis, sondern als räumliches und körperlich erfahrbares Material. Töne und Geräusche werden zu Mitteln, mit denen sich Räume strukturieren, Atmosphären erzeugen und Wahrnehmung gezielt verschieben lässt.
Dabei entsteht Klang häufig in einem Zusammenspiel von technischen Systemen, räumlichen Bedingungen und der Präsenz der Betrachtenden. Die Installation wird nicht nur gehört, sondern als Umgebung erfahren: Klang breitet sich im Raum aus, verändert seine Wirkung in Abhängigkeit von der eigenen Position und macht die architektonische Umgebung als Resonanzkörper erfahrbar.
Blanks Arbeiten bewegen sich zwischen Komposition und Installation. Anstelle einer eindeutig vorgegebenen musikalischen Dramaturgie entstehen offene akustische Situationen, in denen Wiederholung, Überlagerung, Rhythmus und Stille miteinander in Beziehung treten. Der Klang entwickelt dabei eine eigene räumliche Präsenz und erweitert die visuelle Wahrnehmung um eine zeitliche und körperliche Dimension.
Die Sound-Installation lädt dazu ein, den Ausstellungsraum nicht ausschließlich über das Sehen zu erfassen, sondern ihn als akustischen und körperlichen Erfahrungsraum wahrzunehmen. Zwischen technischer Präzision und atmosphärischer Offenheit entsteht eine Situation, in der Hören zu einer Form der räumlichen Orientierung und bewussten Wahrnehmung wird.
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Zhou Fei (DEU)
Elemental Becoming – Zwischen Materie und Symbol
Interaktive Medieninstallation (Kubus)
Elemental Becoming ist eine interaktive Medieninstallation, die die Verbindung zwischen der physischen und der virtuellen Welt erforscht. Im Zentrum steht der Übergang zwischen dem Sichtbaren und den verborgenen Strukturen, Kräften und Beziehungen, die unserer Wirklichkeit zugrunde liegen.
Die Besucherinnen und Besucher werden zu aktiven Mitgestaltenden des Werkes. Durch ihre Bewegungen, insbesondere die Gesten ihrer Hände, treten sie unmittelbar mit der digitalen Umgebung in Beziehung. Sensoren erfassen ihre Bewegungen und übersetzen sie in Echtzeit in abstrakte Farben, Linien, Formen und Klänge. Aus dem physischen Körper entsteht eine virtuelle Erscheinung; aus einer konkreten Bewegung entwickelt sich eine fließende audiovisuelle Landschaft. Jede Geste verändert den Raum und erzeugt eine einzigartige Komposition.
Ausgangspunkt der Arbeit ist die in vielen Kulturen überlieferte Vorstellung, dass die Welt aus vier oder fünf grundlegenden Elementen besteht – Erde, Wasser, Feuer, Luft und, je nach Tradition, einem fünften Prinzip wie Raum, Geist oder Lebensenergie. Diese Elemente werden hier nicht als naturwissenschaftliche Stoffe verstanden, sondern als symbolische Kräfte und Ordnungen, die Natur, Mensch und Kosmos miteinander verbinden. Auch der menschliche Körper kann in diesem Denken als Mikrokosmos verstanden werden, in dem sich die Elemente des Universums wiederfinden.
Die Installation übersetzt diese Vorstellungen in eine zeitgenössische digitale Bildsprache. Das Gegenständliche wird dekonstruiert und in abstrakte Ausdrucksformen transformiert. Körper werden zu Bewegung, Bewegung zu Linien, Linien zu Farbe und Farbe zu Klang. Die sichtbare physische Welt löst sich dabei nicht auf, sondern erscheint in einer anderen Form. Die virtuelle Ebene wird zu einem Resonanzraum für das, was hinter der sichtbaren Oberfläche verborgen liegt.
Obwohl die Arbeit mit Sensorik, Motion Tracking, Echtzeitprojektion und digitaler Bildverarbeitung arbeitet, soll die Technologie selbst nicht im Vordergrund stehen. Die erzeugten Bilder sind bewusst organisch und fließend. Sie können an Wasserströmungen, Wind, Pflanzenwachstum, Zellstrukturen oder kosmische Bewegungen erinnern. Technologie wird zu einem unsichtbaren Vermittler, der physische Bewegungen in eine lebendige, abstrakte Bild- und Klangwelt überführt.
Die Interaktion wird zugleich als eine Form des digitalen Rituals verstanden. Rituale verbinden durch Gesten, Symbole, Klang und Bewegung das Individuum mit seiner Umgebung und mit einer größeren Ordnung. In Elemental Becoming wird die Handbewegung zu einer zeitgenössischen rituellen Geste. Die Besucherinnen und Besucher aktivieren den digitalen Raum und hinterlassen darin für einen Moment eine visuelle und akustische Spur. Diese Spur vergeht und macht Platz für die nächste.
Das Werk ist deshalb kein abgeschlossenes Objekt. Es entsteht immer wieder neu aus der Begegnung zwischen Körper, Technologie und Raum. Jeder Mensch erzeugt eine andere Konstellation, jede Bewegung verändert die audiovisuelle Landschaft. Der digitale Raum wird zu einem offenen Erfahrungsraum, in dem sich Materie und Symbol, Körper und Bild, Mensch und Kosmos miteinander verbinden.
Elemental Becoming versteht Interaktivität nicht lediglich als technische Funktion, sondern als schöpferischen Prozess: Der Besucher bewegt sich – und die Welt antwortet.
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Michaela Hanemann (DEU)
Keimzellen Projektion #2
Medieninstallation (Kubus)
„Keimzellen“ untersucht die Übergänge zwischen Sprache, Körper und Technologie und entwirft einen offenen Bild- und Sprachraum, in dem analoge Zeichnung und digitale Prozesse ineinandergreifen. Im Zentrum steht eine wabenartige Struktur aus zahlreichen Keimzellen, die zeichnerische Ideen, Skizzen und fragmentarische Bildformen aufnehmen. Die einzelnen Zellen fungieren als Orte des Entstehens und der Transformation: Ihre Inhalte bleiben nicht statisch, sondern werden projiziert, animiert, überschrieben und durch digitale Prozesse fortlaufend verändert.
Die Zeichnungen bilden dabei kein abgeschlossenes System, sondern ein dynamisches Gefüge. Durch digitale Eingriffe werden sie erweitert, fragmentiert und neu interpretiert. Original und Reproduktion, menschliche Setzung und algorithmische Bearbeitung lassen sich zunehmend nicht mehr eindeutig voneinander unterscheiden. „Keimzellen“ stellt damit Fragen nach Autorschaft und Kreativität und untersucht, wie sich künstlerische Prozesse verändern, wenn künstliche Intelligenz selbst an der Erzeugung und Transformation von Bildern beteiligt ist.
Ein weiterer Bestandteil der Installation sind KI-generierte Animationen, in denen hybride Figuren zwischen menschlicher und pflanzlicher Gestalt erscheinen. Sie fungieren nicht als Illustrationen, sondern als eigenständige Elemente eines sich ständig wandelnden Zeichensystems. Zwischen algorithmischer Berechnung und organischer Form entsteht ein Spannungsfeld, in dem sich Kategorien wie Kontrolle und Zufall, Wachstum und Zerfall, Natur und Technologie überlagern.
Die Arbeit erweitert diese formale Untersuchung um eine Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Veränderungen von Sprache, Wissen und Kommunikation. In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz zunehmend an der Produktion von Bildern, Texten und Bedeutungen beteiligt ist, stellt sich die Frage nach neuen Formen der Verständigung und nach einer Sprache, die nicht ausschließlich aus menschlicher Perspektive gedacht wird.
Historische Formen der Schrift und Zeichnung treffen dabei auf biologische Metaphern und gegenwärtige posthumane Denkmodelle. „Keimzellen“ entwickelt daraus ein offenes Alphabet, dessen Zeichen nicht festgelegt sind, sondern sich fortwährend verändern, vermehren und neu kombinieren.
Die Installation versteht Sprache damit weniger als abgeschlossenes Instrument der Benennung und Ordnung denn als lebendiges Beziehungsgeflecht. Körper, Umwelt und Technologie treten in einen kontinuierlichen Austausch und bilden gemeinsam einen Raum, in dem Bedeutung nicht vorgegeben ist, sondern immer wieder neu entsteht.
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Ben Petersen (DEU)
Cosmetic Bodies
Mixed media Installation (Kubus)
„Cosmetic Bodies“ ist eine Mixed-Media-Installation von Ben Petersen, die sich mit Haaren als körperlichem und kulturell geprägtem Material auseinandersetzt. Die Arbeit fragt danach, wie wir unseren Körper wahrnehmen, gestalten und kontrollieren.
In einer Serie von neun Videoarbeiten verwandelt Petersen Fotografien seines eigenen, behaarten Körpers mithilfe digitaler Bildbearbeitung und Animation in hybride Lebensformen. Das Vertraute wird aus seinem alltäglichen Zusammenhang gelöst: Haare erscheinen nicht länger nur als Bestandteil des menschlichen Körpers, sondern entwickeln eine imaginäre Eigenexistenz. Ein eigener Haarkosmos entsteht, in dem das Haarige in all seiner Vielfalt zelebriert wird. Ergänzt werden die Videoarbeiten durch Bonbongläser, in denen Petersen die von seinem Körper entfernten Haare sammelt und ausstellt.
Konzept, Fotografie, Animation & Video: Ben Petersen
Sound: Sven Templin
Gefördert durch das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover.
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Florencia Brück (IT)
Installation (Kubus)
Die Installation von Florencia S. M. Brück bewegt sich im Spannungsfeld von Kunst, Technologie, Bewusstsein und Natur. Die italo-argentinische Künstlerin und Programmiererin verbindet in ihrer interdisziplinären Praxis analoge und digitale Verfahren und untersucht die Übergänge zwischen materieller Wirklichkeit und alternativen Formen von Realität.
Brück arbeitet mit unterschiedlichen Medien wie Malerei, Keramik, Fotografie und poetischem Code. Diese verschiedenen Ausdrucksformen stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern werden zu Bestandteilen eines erweiterten künstlerischen Systems, in dem sich physische Materialien, digitale Prozesse und imaginäre Bildwelten gegenseitig beeinflussen.
Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage nach dem Verhältnis zwischen dem Menschlichen, dem Künstlichen und der natürlichen Welt. Technologie erscheint dabei nicht ausschließlich als Werkzeug, sondern als eigenständiger kultureller und ästhetischer Raum, in dem sich neue Formen der Wahrnehmung und des Bewusstseins entwickeln können.
Die Installation eröffnet einen solchen Zwischenraum: Sie verbindet das Konkrete mit dem Immateriellen und schafft eine Situation, in der sich gewohnte Grenzen zwischen Objekt, Bild und digitalem Prozess auflösen. Brücks Arbeit lädt dazu ein, die Beziehung zwischen Mensch und Technologie nicht als Gegensatz, sondern als fortlaufenden Prozess der gegenseitigen Veränderung zu betrachten.
Dabei entsteht eine poetische Auseinandersetzung mit Zeit, Erinnerung und Wahrnehmung. Das Analoge und das Digitale werden zu unterschiedlichen Zuständen eines gemeinsamen künstlerischen Denkraums, in dem Realität nicht als feststehende Größe erscheint, sondern als etwas, das fortwährend erzeugt, interpretiert und neu verhandelt wird.
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Mario Alvarado (MEX)
Brain Waves, Klangkörper
Performance and Workshop (Kubus)
„Brain Waves“ von Mario Alvarado verbindet Performance, Workshop und Klanginstallation zu einer kollektiven Auseinandersetzung mit der akustischen Wahrnehmung des urbanen Raums. Im Zentrum steht die Frage, wie sich eine Stadt nicht nur über Bilder und Architektur, sondern über ihre Klänge erfahren und erinnern lässt.
Im Rahmen eines Workshops werden gemeinsam Klänge aus der Stadt gesammelt und aufgezeichnet. Verkehrsgeräusche, Stimmen, Maschinen, Bewegungen und andere alltägliche akustische Ereignisse werden aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und zu einem individuellen und zugleich kollektiven Klangarchiv zusammengeführt. Die Stadt wird dabei als lebendiger akustischer Organismus erfahrbar, dessen Geräusche sich ständig verändern und überlagern.
In der anschließenden Performance werden diese Aufnahmen in Klangkörper überführt. Körper, Stimme, Bewegung und aufgezeichnete Geräusche treten miteinander in Beziehung und machen den gesammelten Stadtraum körperlich erfahrbar. Die Klangkörper fungieren dabei als Vermittler zwischen der äußeren Umgebung und der inneren Wahrnehmung: Aus den Geräuschen der Stadt entsteht eine neue, temporäre akustische Landschaft.
Der Titel „Brain Waves“ verweist auf die Verbindung zwischen äußerer akustischer Umwelt und innerer Wahrnehmung. Wie Gehirnwellen sind auch urbane Klänge ständig in Bewegung, überlagern sich und bilden komplexe Muster. Die Arbeit untersucht, wie aus dieser Vielzahl von akustischen Eindrücken individuelle Wahrnehmung und kollektive Erinnerung entstehen können.
Durch die Einbindung der Teilnehmer*innen wird die Arbeit selbst zu einem offenen Prozess. Die Stadt liefert das Ausgangsmaterial, die beteiligten Körper und Stimmen transformieren es, und die Performance führt die unterschiedlichen Wahrnehmungen in einem gemeinsamen Klangraum zusammen. „Brain Waves“ versteht Hören damit als aktive Form der Teilhabe und eröffnet einen Zugang zur Stadt, in dem Klang, Körper und Erinnerung miteinander verschmelzen.
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Alex Long Yuan (CHN)
The Watcher (AI-God)
Interaktive Mediennstallation (Kubus)
Die Installation von Alex Long Yuan verbindet die Bildtradition der religiösen Ikonenmalerei mit der visuellen Kultur technologischer und medialer Gegenwart. Ausgangspunkt sind historische Ikonen, aus deren gemalten Heiligendarstellungen das Gesicht ausgeschnitten wurde. An ihre Stelle tritt das Gesicht von Elon Musk und erzeugt damit eine irritierende Verschiebung innerhalb der vertrauten religiösen Bildordnung.
Durch diesen materiellen Eingriff wird das historische Bild nicht lediglich zitiert, sondern physisch verändert. Die Position des Heiligen bleibt erhalten, während die dargestellte Person ausgetauscht wird. Dadurch entsteht eine neue Ikone, in der sich traditionelle Formen der Verehrung mit zeitgenössischen Vorstellungen von technologischer Macht, Einfluss und Prominenz überlagern.
Die Arbeit stellt die Frage, wie Ikonen entstehen und welche gesellschaftlichen Mechanismen hinter der Zuschreibung von Bedeutung und Autorität stehen. Das Verfahren ist zugleich präzise und provokativ: Eine minimale Veränderung – der Austausch eines Gesichts – verändert die gesamte Bedeutung des Bildes und verschiebt dessen kulturellen und symbolischen Bezugsrahmen.
Ergänzt wird die Installation durch eine interaktive künstliche Intelligenz, mit der die Besucher*innen in einen Dialog treten können. Die KI erweitert die statische Bildwelt um eine sprachliche und dialogische Ebene. Aus dem Bild einer verehrten Figur wird ein scheinbares Gegenüber, das angesprochen und befragt werden kann.
So verbindet die Installation historische Bildtraditionen mit gegenwärtigen Formen technologischer und medialer Ikonisierung. Zwischen Heiliger, Unternehmer, Bild und künstlicher Intelligenz entsteht ein Spannungsfeld, das danach fragt, wie sich Vorstellungen von Autorität, Verehrung und menschlicher Projektion verändern, wenn religiöse Bildformen auf die Ikonen der digitalen Gegenwart treffen.
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Nadja Verena Marcin (DE/USA)
Interaktive Mediennstallation (Kubus)
„#SOPHYGRAY“ von Nadja Verena Marcin ist ein feministischer KI-Audio-Chatbot, der die Beziehung zwischen Sprache, Technologie und gesellschaftlichen Machtstrukturen untersucht. Als interaktive Anwendung und performative Figur bewegt sich #SOPHYGRAY zwischen digitalem Interface, künstlicher Intelligenz und menschlicher Präsenz.
Die Arbeit setzt bei den stereotypen Rollenbildern an, die in der Gestaltung und Sprache virtueller Assistentinnen wie Siri oder Alexa eingeschrieben sind. Anstelle einer dienstleistenden, vermeintlich neutralen Computerstimme entwickelt Marcin mit #SOPHYGRAY eine widersprüchliche und eigenwillige digitale Figur, die etablierte Vorstellungen von Geschlecht, Autorität und technologischer Assistenz hinterfragt.
Seit 2021 entsteht ein umfangreiches interaktives Textarchiv, das feministische Positionen unter anderem von bell hooks, Donna Haraway, Silvia Federici, Audre Lorde und Anna Lowenhaupt-Tsing miteinander verbindet. Die daraus hervorgegangene KI ist nicht auf eine einzelne Perspektive festgelegt, sondern basiert auf einem vielstimmigen Korpus aus Literatur, Theorie, persönlichen Äußerungen und unterschiedlichen Formen feministischen Wissens.
In der Begegnung mit den Besucher*innen wird Sprache zum eigentlichen Material der Arbeit. #SOPHYGRAY antwortet auf Fragen, reagiert auf Erwartungen und erzeugt dabei bewusst Momente der Irritation. Ihre Antworten können widersprüchlich, humorvoll, poetisch oder überraschend ausfallen. Der sogenannte Glitch wird dabei nicht ausschließlich als technischer Fehler verstanden, sondern als Möglichkeit, etablierte Denk- und Sprachmuster zu unterbrechen und neue Perspektiven zu eröffnen.
Erweitert wird die Interaktion durch zwei Videoprojektionen, in denen hybride Figuren zwischen Mensch und Maschine erscheinen. Die wiederholten Bewegungen der Figuren erzeugen eine zweite, körperliche Ebene und verbinden die digitale Gesprächssituation mit einer performativen Bildsprache. Die Arbeit wird dadurch zu einem Raum, in dem sich menschlicher Körper, künstliche Stimme und algorithmische Prozesse gegenseitig spiegeln.
Der Name #SOPHYGRAY verweist auf die südafrikanische Künstlerin und Architektin Sophy Gray (1814–1871), die im 19. Jahrhundert zahlreiche Kirchen entwarf und realisierte. Die historische Referenz verbindet die digitale Figur mit einer weiblichen Kulturgeschichte, die in traditionellen Erzählungen über Architektur, Gestaltung und gesellschaftliche Autorität häufig unsichtbar bleibt.
#SOPHYGRAY versteht künstliche Intelligenz somit nicht als neutrale Technologie, sondern als kulturellen und politischen Raum, in dem Sprache, Wissen und Macht neu verhandelt werden. Die Arbeit fragt danach, welche anderen Formen von technologischer Kommunikation möglich sind, wenn die vermeintlich objektive Stimme der Maschine durch feministische, intersektionale und vielstimmige Perspektiven ersetzt wird.
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Yumi Saegusa(JP)
Installation (Kubus)
Yumi Saegusa entwickelt eine künstlerische Praxis, die sich mit Wahrnehmung, Alltag und den vielschichtigen Beziehungen zwischen Mensch, Umgebung und gesellschaftlichem Raum auseinandersetzt. Im Zentrum steht dabei die genaue Beobachtung des scheinbar Vertrauten und die Frage, welche Geschichten, Bedeutungen und Erfahrungen sich in alltäglichen Situationen und Dingen einschreiben.
Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen persönlicher Erfahrung und einer weiter gefassten Betrachtung gesellschaftlicher Zusammenhänge. Dabei entsteht ein Spannungsfeld zwischen dem Intimen und dem Öffentlichen, zwischen individueller Wahrnehmung und kultureller Prägung. Das Alltägliche wird nicht als selbstverständliche Kulisse verstanden, sondern als Ausgangspunkt für eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Gegenwart.
Saegusas Arbeiten zeichnen sich durch eine zurückhaltende, zugleich präzise Form der Beobachtung aus. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf Übergänge und Zwischenräume und eröffnen Situationen, in denen sich gewohnte Wahrnehmungsmuster verschieben können. Das Vertraute erscheint dadurch für einen Moment fremd und ermöglicht einen neuen Blick auf die eigene Umgebung.
In dieser Offenheit liegt eine zentrale Qualität ihrer künstlerischen Praxis: Nicht die eindeutige Erklärung steht im Vordergrund, sondern die Schaffung eines Raumes für Wahrnehmung, Erinnerung und individuelle Interpretation. Die Arbeiten laden dazu ein, sich auf Details einzulassen und die Beziehung zwischen dem eigenen Blick und der Welt, die ihn umgibt, neu zu erfahren.
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Kacper Mutke (POL)
Medieninstallation (Kubus)
Kacper Mutke arbeitet an der Schnittstelle von visueller Kunst, Klang, Animation und Programmierung. Seine interdisziplinäre Praxis verbindet Malerei und analoge Bildspuren mit digitalen Verfahren, generativer Kunst und interaktiven Installationen. Gemeinsam mit Michał Urbański bildet er das Künstlerkollektiv tajny_projekt, das sich mit den Übergängen zwischen physischer und digitaler Realität auseinandersetzt.
Ein zentrales Interesse von Mutkes Arbeiten liegt in der Übersetzung von Wahrnehmung: Spuren, Bewegungen, Klänge und materielle Strukturen werden aufgegriffen, digital transformiert und in neue visuelle Zusammenhänge überführt. Dabei stehen analoge und digitale Prozesse nicht als Gegensätze gegenüber. Vielmehr entsteht ein kontinuierlicher Dialog zwischen der körperlichen Geste und ihrer algorithmischen Weiterverarbeitung.
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Vera Freese (DEU)
Performance (Kubus)
Die Performance von Vera Freese setzt beim scheinbar alltäglichsten und zugleich intimsten Vorgang der Kommunikation an: dem Gespräch mit sich selbst. Indem die Künstlerin sich selbst als Gegenüber begegnet, wird der innere Dialog nach außen verlagert und als performative Situation sichtbar und hörbar.
Das Selbstgespräch bewegt sich zwischen Reflexion, Beobachtung und Wiederholung. Die eigene Stimme wird dabei zugleich zur sprechenden und zur angesprochenen Instanz. Aus einer scheinbar monologischen Situation entsteht ein Dialog, in dem sich unterschiedliche Perspektiven auf das eigene Selbst begegnen, widersprechen, ergänzen oder gegenseitig hinterfragen.
Die Performance untersucht damit die Konstruktion von Identität und die Frage, wie das eigene Ich überhaupt entsteht. Selbstwahrnehmung erscheint nicht als feststehende Größe, sondern als fortlaufender Prozess des Aushandelns – zwischen dem, was man über sich selbst weiß, dem, was man sich erzählt, und dem Bild, das man von sich zu entwerfen versucht.
Indem Freese diesen inneren Vorgang in den öffentlichen Raum der Performance überführt, entsteht eine eigentümliche Verschiebung: Das Private wird öffentlich, während das Publikum zugleich zu Zeug*innen eines Gesprächs wird, das eigentlich nur zwischen der Künstlerin und ihr selbst stattfindet.
So wird die Performance zu einer Untersuchung der Grenze zwischen innerer und äußerer Kommunikation. Das Selbst erscheint nicht als einzelne, geschlossene Stimme, sondern als vielstimmiger Raum, in dem Gedanken, Zweifel, Erinnerungen und unterschiedliche Versionen der eigenen Person miteinander in Beziehung treten.
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